Projekte

DUALIS - Daheim und nicht allein mit Versorgungssicherheit

Ziele des Projektes

Die entwickelten Betreuungs- und Kontaktangebote sollen in das Quartiersprojekt der Stadt Solingen (AQ Solingen Höhscheid) eingebunden werden. 

Ausgehend von der Lebenssituation älterer pflegebedürftiger Menschen, die im häuslichen Umfeld sicher und gut versorgt leben möchten, waren die zentralen Ziele des Projektes:

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Vorgehen

Die enge Zusammenarbeit mit der Wohnungsbaugesellschaft und die Quartiersausrichtung ermöglichten einen guten Zugang zur Zielgruppe. Über verschiedene Maßnahmen (Bewohnerbefragung, Interviews, Workshops) wurde die Zielgruppe in das Projekt eingebunden. So bildete sich zum einen eine Gruppe von unterstützungsbedürftigen als auch von Menschen die sich ehrenamtlich einbringen wollten. Zum anderen konnte so festgestellt werden, welche Versorgungs- sowie sozialen Angebote fehlen.

Der vertrauensvolle Zugang zu den Menschen hat auch wichtige Hinweise geliefert, welche technischen Assistenzen als nützlich und förderlich angesehen werden. Als wünschenswerte technische Assistenz wurde eine Tablett-Benutzeroberfläche (vergleichbar mit dem Desktop eines PC) identifiziert, die übersichtlich den persönlichen Informationsbedarf zugänglich macht, soziale Kontakte zur Familie / zum persönlichen Umfeld ermöglicht und einfach zu bedienen ist.

Projektergebnisse

Die soziale Teilhabe kann deutlich gestärkt und verbessert werden, wenn zum einen klassische Versorgungsangebote (z. B. Betreuungsgruppen) wohnortnah in vertrauter Umgebung zugänglich sind. Zum anderen wenn über die etablierten sozialen Kommunikationstechniken (z. B. WhatsApp) die Möglichkeiten der sozialen Teilhabe älterer Menschen ergänzt werden. Um diese Kommunikationstechniken für ältere Menschen zugänglich zu machen, müssen sie in ein sozial-technisches Gesamtkonzept eingebunden werden. In unserem Projekt wurden zuerst die gewünschten sozialen Teilhabeformen identifiziert und dann entsprechende Angebote (z. B. Betreuungsgruppen) implementiert. Die so gebildeten Gruppen wurde dazu genutzt, die Teilnehmer über die Möglichkeiten sowie im Umgang mit  sozialen Kommunikationstechniken zu befähigen.

Wichtige Voraussetzungen für die Nutzerakzeptanz sind: die Berücksichtigung der individuellen Bedarfe, der Quartiersbezug, die einfache Bedienbarkeit der Technik sowie eine vertraute Sprachführung. Mit den Teilnehmern wurde ein Anforderungsprofil für eine nutzergerechte Tablett-Benutzeroberfläche entwickelt, die Kommunikation, Information, Sicherheit sowie Unterhaltung einfach zugänglich macht. Parallel wurden sogenannte (ehrenamtliche) Techniklotsen qualifiziert. Diese Techniklotsen haben eine Schlüsselfunktion. Sie individualisieren das Tablett, indem sie gemeinsam mit den Nutzern die persönlichen Daten (z. B. Adressen, Ärzte) hinterlegen. Sie helfen aber auch den Nutzern bei Problemen im Umgang mit dem Tablett und sind selbst Teil der Betreuungsgruppe. Denn die Teilnehmer sollen das Tablett ergänzend zur vertrauten sozialen Teilhabe in den Betreuungsgruppen nutzen. Soziale Kommunikationsmittel sollen die soziale Begegnung ergänzen bzw. deren Möglichkeiten erweitern und nicht ersetzen.

Ein weiteres wichtiges Bindeglied stellen die Angehörigen dar. Die entwickelte Benutzeroberfläche vereinfacht die tägliche Kontaktaufnahme und entlastet damit die Angehörigen, da sie zum einen zeitnaher informiert sind und zum anderen nicht immer vor Ort sein müssen. Bisher ist die entwickelte Benutzeroberfläche als (einsatztauglicher) Prototyp vorhanden. Für die marktfähige Umsetzung müssen noch Finanzmittel gefunden werden.

Erkenntnisgewinn und Übertragbarkeit

Um ältere Menschen zu erreichen, die sich aus dem sozialen Leben zurückgezogen haben, hat sich der Quartiersansatz als sehr nützlich erwiesen. Menschen und Anbieter in sozialräumlich überschaubarer Größe miteinander zu vernetzen, schafft neue Zugänge, Vertrauen und erleichtert den Aufbau von Unterstützungsstrukturen.

Zu deren Umsetzung bedarf es geeigneter Räume (Größe, Ausstattung) die fußläufig und barrierefrei erreichbar sind. Während des Projektes wurde vom Projektträger ein Bauprojekt (ambulant betreute WG`s mit 24 Plätzen, 9 Servicewohnungen, Tagespflege, Bürgertreff) realisiert, das diese räumlichen Voraussetzungen (Bürgertreff) zukünftig sicherstellt. Durch eine zielgruppenspezifische Ansprache stehen ältere / pflegebedürftige Menschen dem Einsatz „moderner Kommunikationstechniken“ erstaunlich offen gegenüber. Wenn die Menschen vertrauen haben und in einem geeigneten Setting den Umgang mit den Techniken erlernen, dann wird der Nutzen erkannt und Akzeptanz aufgebaut. Die Nutzung von Kommunikationstechniken ist aber auch von der Handhabbarkeit der eingesetzten Geräte, in unserem Projekt ein Tablett in Kombination einer individualisierten Benutzeroberfläche, abhängig.

Das ein wesentliches Ziel des Projektes erreicht wurde, zeigt die durchgeführte Wirksamkeitsanalyse in Form einer wirkungsorientierten Selbstevaluation (angewandtes Verfahren: Method for Impact Assessment of Programs and Projects - MAPP) die gezeigt hat, das bezogen auf Ziel der Verbesserung der sozialen Teilhabe, die Wirksamkeit der eingeleiteten Maßnahmen erfolgreich war. Ohne die unterstützenden Kooperationspartner (Stadt Solingen, Spar- und Bauverein Solingen eG., mDoc.) wäre die erfolgreiche Umsetzung dieses Projektes nicht möglich gewesen.

Angebote

Durch das Projekt DUALIS konnten für die BewohnerInnen im Sozialraum vielfältige Angebote geschaffen werden:

1. Pflegeberatung am Unnersberg
Erster Freitag im Monat: 9 – 12 Uhr

2. Siedlungsspaziergang am Unnersberg
Zweiter Freitag im Monat: 10 – 11 Uhr

3. Kaffeeklatsch am Unnersberg
Dritter Freitag m Monat: 15 – 17 Uhr

4. Gesprächskreis pflegender Angehöriger am Unnersberg
Vierter Freitag im Monat: 16.30 – 18 Uhr

5. Sozialtechnischer Betreuungsdienst am Unnersberg
Unregelmäßig und in Abhängigkeit der technischen Umsetzung der Tablet-Anwendung

6. Nachbarschaftsfest am Unnersberg
Ein Mal jährlich im Sommer

1: Pflegeberatung am Unnersberg

Die Implementierung der regelmäßigen Pflegeberatung in den Räumlichkeiten der Spar- und Bauverein Solingen eG vor Ort ist ein Beitrag zur Erhöhung der persönlichen Versorgungssicherheit Pflegebedürftiger in der eigenen Häuslichkeit. Dies stellt einen Versuch dar die bestehende Unterversorgung (17%) unterstützungsbedürftiger Bevölkerung am Unnersberg zu reduzieren. Durch die pflegeberaterische Tätigkeit sollen neben der bedarfsentsprechenden Eingradierung Betroffener, bedarfsgerechte Wohnraumanpassungen möglichst frühzeitig initiiert werden.

Das kostenfreie Beratungsangebot bedarf nach wie vor keiner Voranmeldung bzw. Terminvereinbarung. Hier fällt auch die psychologische Barriere „der Weg zum Amt“ weg. Dieses niederschwellige Angebot wird durchschnittlich von drei bis vier Menschen in Anspruch genommen. Senioren, die im vorgesehenen Zeitfenster nicht beraten werden konnten, wird ein separater Beratungstermin angeboten. Das entsprechend ausgebildete Personal wurde vom Hauspflegeverein Solingen e. V. gestellt. 

2: Siedlungsspaziergang am Unnersberg

Der Siedlungsspaziergang ist ein Angebot, das sich insbesondere an mobilitätseingeschränkte Menschen richtet und sich als Ansatz zur Präventions- und Gesundheitsförderung versteht. Darüber hinaus ist es eine Möglichkeit zur sozialen Teilhabe und neuer Vernetzung im Quartier. Auch hier sind die Zugangsvoraussetzungen niederschwellig. Es gibt keine Voranmeldungen – man trifft sich immer zur gleichen Zeit und am gleichen Ort. Dieses offene Bewegungs- und Betreuungsangebot wird von ca. zehn Senioren regelmäßig genutzt. Das Personal wurde vom Friedrichshof Solingen e. V. gestellt.

3: Kaffeeklatsch am Unnersberg

Dieses offene und niederschwellige Gruppenangebot richtet sich an Menschen, die sich wünschen mehr in Gesellschaft zu sein. Es fördert soziale Teilhabe und Vernetzung in der Siedlung und ergänzt die Landschaft der Freizeitangebote vor Ort. Ferner wird dieser Rahmen auch als ein Kanal für Informationsstreuung und als Abstimmungsgremium für diverse Vorgänge im Quartier genutzt, z. B. das Nachbarschaftsfest. Es werden einmal jährlich auch Kurzausflüge innerhalb Solingen unternommen, das Ausflugziel bestimmt die Gruppe selbst. Dieses Angebot wird von 14 bis 20 Teilnehmern regelmäßig wahrgenommen. Die Teilnehmer befinden sich im Alter zwischen 76 und 96 Jahren. Die Projektkoordinatorin ist verantwortlich für dieses Angebot.

4: Gesprächskreis pflegender Angehöriger am Unnersberg

Der Gesprächskreis pflegender Angehöriger wurde am 27. Januar 2017 implementiert. Das offene Gruppenangebot wird aktuell von acht Teilnehmer/-innen wahrgenommen.

Der Gesprächskreis pflegender Angehöriger ist ein weiterer Baustein und Beitrag zur Versorgungssicherheit in der Siedlung Unnersberg. Hier liegt der Fokus auf der Unterstützung pflegender Angehöriger in ihrer anspruchsvollen Lebenssituation des häuslichen Pflegesettings. Das entsprechend ausgebildete Personal wurde vom Hauspflegeverein Solingen e. V. gestellt. 

5: Sozial-technischer Betreuungsdienst

Der sozial-technische Betreuungsdienst wird seit Januar 2017 sukzessive in einem Livin-Lab-Ansatz umgesetzt, was die Nachhaltigkeit erhöhen soll. Sie wird gemeinsam mit den Nutzern, ehrenamtlich tätigen Techniklosten und unter Leitung der Projektkoordinatorin, fortentwickelt und durch das Start-Up-Unternehmen m.Doc.one technisch umgesetzt. Für dieses innovative Betreuungsangebot wurden sechs Nutzer aus dem Gruppenangebot des Kaffeeklatsches gewonnen, die ferner aus ihrem Bekanntenkreis in der Siedlung vier weitere Teilnehmer angeworben haben.

Die Tablet-Anwendung (Launcher) wird im Rahmen dieses Gruppenangebotes durch die Zielgruppe (Senioren 65+) und in der Umsetzung der Idee, weiterentwickelt. Dabei ist die Frage leitend: „Was muss eine Tablet-Anwendung erfüllen, um als ihr Nutzer mehr Sicherheit im Alltag zu haben?“. Die Zielgruppe hat somit die Möglichkeit, neue Entwicklungsprozesse richtungsweisend und unter dem Fokus der Übertragbarkeit und Nachhaltigkeit mitzugestalten. Dieses Gruppenangebot mit seiner sukzessiven Entwicklung versteht sich auch als Beitrag zur Inklusion und sozialer Teilhaben. Gleichzeitig entsteht eine Anwendung, die auf andere Sozialräume übertragbar sein soll. Der Launcher, das Betreuungs- und Entwicklungskonzept wird auch nach der Förderphase durch den Hauspflegeverein Solingen e. V., unter der Leitung der Projektkoordinatorin, fortentwickelt und die entsprechenden Prozesse gesteuert. 

6: Nachbarschaftsfest am Unnersberg

Das Nachbarschaftsfest am Unnersberg ist auf Basis der Interviewergebnisse entstanden. Es versteht sich als Beitrag zur Vernetzung in der Bevölkerung und unter lokalen Akteuren vor Ort. Ferner soll es Identifikationsmerkmale in der Siedlung schaffen, die Generationen zusammenbringen und zur Erhöhung der Lebensqualität im Quartier beitragen. Hier gibt es Live-Musik, eine Food-Meile (2-Euro-Preise) und Kinderspaß (Hüpfburg, Luftballonkünstler etc.). Das Motto lautet: „Die Nachbarschaft feiert, seid mit dabei!“

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