Der Wunsch nach selbstbestimmten Ableben
Viele Menschen möchten selbst entscheiden, wann ihr Leben endet. Doch klare Regeln für den assistierten Suizid fehlen – mit Folgen für Betroffene, Angehörige und Pflegekräfte. In unserem Beitrag beleuchten wir die aktuelle Lage und die Herausforderungen, die damit verbunden sind.
Viele Menschen sehnen sich danach, selbst entscheiden zu dürfen, wann sie sterben. Foto: Halfpoint-adobe.stock.com
„Der ärztlich assistierte Suizid stellt eine Form der straflosen Beihilfe zur Selbsttötung dar, sofern die Ärztinnen bzw. Ärzte bei der Vorbereitung oder Durchführung einer eigenverantwortlichen Selbsttötung durch Verschaffung, nicht aber Verabreichung, eines todbringenden Mittels Unterstützung leisten.“
(Quelle: Deutscher Bundestag)
Soweit zur Theorie.
Im Jahr 2020 hat das Bundesverfassungsgericht ein Urteil gesprochen, mit dem die Strafbarkeit des assistierten Suizids aufgehoben wurde. Im Jahr 2023 wurden zwei Gesetzentwürfe vorgelegt, die jedoch im Bundestag keine Mehrheit gefunden haben. Mittlerweile sind bereits fünf Jahre vergangen – und noch immer gibt es kein Gesetz, das regelt, wie ein Mensch ganz selbstbestimmt über sein Lebensende entscheiden kann.
Dabei könnte es so einfach sein. Andere Länder machen es längst vor, zum Beispiel die Schweiz. Dort kann mittels einer Sterbeverfügung ein Antrag auf ein Medikament gestellt werden, das zum selbstgewählten Zeitpunkt eingenommen wird und so das Sterben herbeiführt – ganz selbstbestimmt.
Begleitung am Lebensende: Zwischen Hoffnung und Belastung
Durch meine tägliche Arbeit erlebe ich oft Leid – ganz nah, ganz intensiv. In diesen Momenten bin ich dankbar, auf die Palliativmedizin zurückgreifen zu können. Sie erleichtert den Sterbeprozess, aber oft vergehen Tage oder Wochen, bis ein Mensch schließlich seine ersehnte Ruhe finden darf. Für die Pflegekräfte ist das eine enorme Herausforderung. Sie sind der Anker und die Hoffnung – für die Patienten, die Angehörigen und auch für die Kollegen. Denn jemanden beim Sterben zu begleiten, hinterlässt Spuren. Es verändert alles. Und nicht immer lassen sich diese Momente und Emotionen einfach gemeinsam mit der Dienstkleidung ablegen.
Der Wunsch nach Klarheit bleibt
Wie bereits erwähnt: Es sind fünf Jahre vergangen, in denen viel gesprochen, aber nichts entschieden wurde. Viele Menschen sehnen sich danach, selbst entscheiden zu dürfen, um dann friedlich und in Würde diesen Ort zu verlassen – im Kreis ihrer Liebsten, ohne die Sorge, dass jemand durch Beihilfe oder Unterlassung in Schwierigkeiten geraten könnte. Einfach ein Medikament erhalten – und ganz selbstbestimmt diese letzte Entscheidung treffen.
Von: Christina Lüneschloß
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