Ich liebe meine Arbeit – glauben Sie mir!
„Wo arbeitest Du? Mit dementen Menschen? Das hat doch keine Perspektive – wie hältst du das nur auf Dauer aus?“ Diese und ähnliche Fragen bekam ich gestellt, als ich 2015 einen Zertifikatslehrgang im Bildungszentrum Bethanien in Solingen besuchte, um mich zur zusätzlichen Betreuungskraft nach § 87 SGBXI weiterzubilden.
Für viele ist es unvorstellbar, sich mit alten Menschen außerhalb der Familie abzugeben, geschweige denn, im Seniorenbereich zu arbeiten. Für mich ist es der schönste Arbeitsplatz, den ich mir vorstellen kann. Ich liebe meine Arbeit – glauben Sie mir!
Seit einem dreiviertel Jahr arbeite ich in einer Seniorentagespflege. Täglich kommen bis zu 16 hochaltrige Menschen mit oder ohne Demenz oder mit anderen verschiedenen alters- oder krankheitsbedingten Einschränkungen in die Einrichtung. Es ist eine bunte Mischung aus lauten oder leisen, fröhlichen und weniger fröhlichen, aktiven oder eher gemütlichen Gästen.
Zum Tagesablauf gehören die drei Mahlzeiten Frühstück, Mittagessen und Kaffeetrinken – was alle sehr genießen. Es wird aus der Tageszeitung vorgelesen und über das Gehörte gesprochen. Vor- und nachmittags können die Gäste an einem Bewegungsangebot teilnehmen. Nach dem Mittagessen haben sie aber auch die Möglichkeit, sich einfach nur zurückziehen. Um 16.00 Uhr werden sie wieder abgeholt.
Meine Aufgaben als Betreuungsassistentin
„Aktivierung“ und „Bewegung“ umschreiben meine Aufgaben als Betreuungsassistentin. Schon bei den Mahlzeiten fängt es an. Ich helfe, wenn nötig, beim Zerkleinern des Essens und rege zum eigenständigen Essen an. Oft ergibt sich ein Gespräch über verschiedene alltägliche Themen wie das Wetter, das Befinden oder die Familie. Ich frage nach und lasse mir erzählen, wie die Senioren es früher gemacht haben, was sie gekocht haben, welche Traditionen es in ihrer Familie und in ihrer Heimat gab. Es werden nicht nur schöne Erinnerungen geweckt. Es kommt auch Traurigkeit darüber auf, dass vieles in ihrem Leben nun der Vergangenheit angehört.
Neben dem Gespräch ist die Bewegung ein zentrales Element meiner Arbeit. In der morgendlichen Bewegungsrunde mache ich mit den Senioren Sitzgymnastik und führe mit ihnen Beweglichkeits- und Koordinationsübungen durch, um ihre motorischen Fähigkeiten zu trainieren. Dazu nehmen wir – begleitet von Musik – Tücher, Bälle und Stäbe zu Hilfe. So kommt Schwung in Arme und Beine.
Für Gäste, die nicht mehr in der Gruppe aktiv sein können, biete ich beispielsweise eine kleine Handmassage oder ein Fußbad an, denn Berührung und Nähe tun einfach gut. Auch über einen Spaziergang mit mir im Hof oder zum nahegelegenen Park freuen sich die Senioren.
Ich bin genau am richtigen Platz
Beliebt sind auch die nachmittäglichen Spielrunden. Dazu gehören Spiele-Klassiker wie "Mensch-Ärgere-dich-nicht", Rummy oder Bingo, aber auch gemeinsames Rätseln oder Sprichwörter-Raten. Kreatives Gestalten jahreszeitlicher Dekorationen für die Tagespflege oder für zu Hause steht außerdem auf dem Programm. Eine Seniorin sagte mir beim Anblick der fertigen Stücke: „So was habe ich noch nie gemacht, dafür war nie Zeit, ich kann ja doch noch was!“
Die Gäste singen besonders gerne alte Volkslieder und Schlager. Es berührt mich, zu erleben, wie Menschen mit einer fortgeschrittenen Demenz oft Liedtexte fehlerfrei singen, obwohl sie sonst kaum noch sprechen.
Mir ist wichtig, das Leben in der Tagespflege bunt zu gestalten und auf diese Weise dazu beizutragen, dass die Gäste immer wieder Neues erleben und Freude erfahren. Wenn mir dann eine Seniorin sagt: „Ich glaube, Sie machen das richtig gerne. Das merkt man, junge Frau. Sie dürfen wiederkommen!“ – dann weiß ich, ich bin genau am richtigen Platz.
Autorin: Christiane Kurz, Alltagsbegleiterin nach § 87b
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