Müssen Pflegebedürftige die Zeche zahlen?
Leiharbeit geht zu Lasten von Pflegebedürftigen, Pflegekräften und Einrichtungen, davon ist die Freie Wohlfahrtspflege NRW überzeugt.
Leiharbeit in der Pflege auf Kosten pflegebedürftiger Menschen und Pflegekräfte. Foto: Teheim Solingen
Wegen anhaltender Personalnot kaufen Seniorenzentren, Pflegedienste und Tagespflegen oftmals Pflegekräfte teuer über Leiharbeitsfirmen ein. Schon jetzt kosten Mitarbeitende eines Dienstleisters mindestens das Doppelte von tariflich bezahlten festangestellten Kräften, heißt es in der Pressemitteilung der Freien Wohlfahrtspflege NRW. Sie fordert daher eine stärkere Regulierung, damit Leiharbeit wieder auf ihre Kernaufgaben beschränkt wird. Der Einsatz müsse begrenzt, die Preise auf vergleichbares Tarifniveau gedeckelt sowie die Beteiligung der Anbieter an den Ausbildungskosten sichergestellt werden, meint die Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege.
Zwei-Klassen-System unter Mitarbeitenden
„Leiharbeit ist nicht nur teuer, sondern entsolidarisiert die Pflege. Die Zeche zahlen am Ende alle, die auf Pflege angewiesen sind“, so Elke Hammer-Kunze, Vorsitzende des Arbeitsausschusses Alter und Pflege der Freien Wohlfahrtspflege NRW. Pflege bedeute die Versorgung und Beziehungsarbeit mit Menschen, 24 Stunden täglich und sieben Tage in der Woche. Die Leiharbeitsfirmen ignorierten diesen Grundauftrag, etwa indem sie ihren Beschäftigten Wunscharbeitszeiten zusagen. „Das führt zu einem Zwei-Klassen-System unter den Mitarbeitenden: Die einen picken die Rosinen und stellen sich bei Arbeitszeiten, Gehalt und Privilegien besser. Und die Stammbelegschaft muss das auffangen, weil sie Schichten tauschen, Pflegedokumentationen machen und ihre Zeit in Beziehungspflege zu den alten Menschen investieren“, so Elke Hammer-Kunze.
Politik muss handeln
Personaldienstleister stellen keine Ausbildungsplätze und die damit verbundenen Ressourcen zur Verfügung. Sie profitieren im Rahmen ihres Geschäftsmodelles von den gut ausgebildeten Fachkräften, deren Ausbildungskosten die Dienste und Einrichtungen getragen haben. Falsch findet Hammer-Kunze vor allem, dass Auszubildenden direkt nach dem Examen von Leiharbeitsfirmen abgeworben und dann an ihren ehemaligen Ausbildungsbetrieb verliehen werden.
Hier werde ein Wirtschaftszweig gefördert, der mit Steuergeldern und der Not der Einrichtungen große Gewinne erwirtschafte und den Fachkräftemangel verschärfte, lautet die Kritik der Wohlfahrtsverbände.
Die Politik müsse den Auswüchsen der Leiharbeit Einhalt gebieten, fordern die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege NRW.
Quelle: Pressemitteilung der Freien Wohlfahrspflege NRW
Weitere aktuelle Themen
Termin
Fachtag: Sorgende GemeinschaftWie können wir unsere Gesellschaft menschlicher unterstützender und gemeinschaftlicher gestalten. Antworten erhalten interessierte am 12. Juni 2025 beim Fachtag Sorgende Gemeinschaft in Overrath.
Haushaltsplanentwurf 2025
Freie Wohlfahrtspflege: Teilerfolg im Kampf gegen SozialkürzungenNach massiven Protesten mit über 32.000 Teilnehmenden hat die Landesregierung NRW geplante Sozialkürzungen teilweise zurückgenommen. Die Freie Wohlfahrtspflege NRW sieht darin einen Teilerfolg, mahnt aber weiterhin Nachbesserungen an.
Informationsveranstaltung
Vorsorgevollmacht, Betreuung, PatientenverfügungDer Solinger Pflegeverbund lädt Interessierte am 14. November, um 18 Uhr zu einer Informationsveranstaltung ein. Sie erfahren alles Wichtige zu den Themen Vorsorgevollmacht, Betreuung und Patientenverfügung.
Stellungnahme
Pflegekompetenzgesetz: Gut, aber nicht gut genugDer Think Tank Vorbehaltsaufgaben (TT VA) hat in einer Stellungnahme zum Entwurf des Pflegekompetenzgesetzes die Stärkung der Autonomie der professionellen Pflege begrüßt – aber auch auf Schwächen und offene Punkte hingewiesen.
Tour Demenz 2024
Einsamkeit begegnen – Zugehörigkeit stärkenAm 19. September 2024 sind die Akteure des Regionalbüros Alter, Pflege und Demenz Bergisches Land wieder auf (Fahrrad-)Tour – diesmal, um Orte und Aktionen im Bergischen Land sichtbar zu machen, die Zugehörigkeit und Verbundenheit fördern.
Wohngemeinschaft Friedrichshof
Tag der offenen Tür mit Multikulti-BrunchIm Rahmen der Interkulturellen Woche (IKW) laden Teheim Solingen und das Regionalbüro Alter Pflege und Demenz zum Tag der offenen Tür am Samstag, den 28. September 2024, in den Friedrichshof Solingen ein.
Austausch und Unterstützung
Einladung zum Frühstück für Trauernde und PflegendeDer Verlust eines geliebten Menschen oder die Übernahme von Pflegeverantwortung kann das Leben tiefgreifend verändern und zu Einsamkeit führen. Deshalb lädt das Kontaktbüro Pflegeselbsthilfe Betroffene zum Frühstück ins Café Friedrichshof ein.
Online-Selbsthilfegruppe
Austausch und Entlastung für Angehörige von KrebspatientenDas Kontaktbüro Pflegeselbsthilfe Bergisches Städtedreieck und das Regionalbüro Alter, Pflege und Demenz laden Angehörige von Menschen mit einer Krebsdiagnose zum Online-Treffen ein – Dienstag, den 17. September, um 19 Uhr.
Veranstaltung Demenz Meet
Begegnung und Austausch für Betroffene und AngehörigeAm Weltalzheimertag, dem 21. September 2024, findet in Köln die Veranstaltung „Demenz Meet“ statt. Sie bietet Menschen mit Demenz, ihren Angehörigen und Expert*innen die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und zur Inspiration.
Veranstaltungen
Initiative gegen EinsamkeitDie Regionalbüros Alter, Pflege und Demenz NRW veranstalten vom 17. bis 23. Juni 2024 die Aktionswoche "Einsamkeit begegnen – Zugehörigkeit stärken". Ziel ist es, das Bewusstsein für Einsamkeit zu schärfen und Lösungen zu finden.
Landesprogramm NRW
Teheïm Solingen bildet Pflegelotsen ausDer Pflegedienstleister Teheïm Solingen fördert die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege im Unternehmen durch geschulte Pflege-Guides. Diese unterstützen Mitarbeitende, die ihre Angehörige pflegen.
Umfrage
Pflegeberuf: Hohe Relevanz, aber wenig bekannte ChancenEine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass vielen Menschen weder die Berufschancen noch die Aufgaben einer Pflegekraft bekannt sind.
- 1
- 2