Pflege von Angehörigen mit Berufstätigkeit schwer vereinbar
Übernehmen Frauen über 50 die Pflege ihrer Eltern, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie weiter ihren Beruf ausüben. Bei Männern wirkt sich die Pflege der Angehörigen noch stärker auf die Beschäftigungswahrscheinlichkeit aus als bei Frauen.
Übernehmen Frauen über 50 die Pflege ihrer Eltern, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie weiter ihren Beruf ausüben. Bei Männern wirkt sich die Pflege von Angehörigen noch stärker auf die Beschäftigungswahrscheinlichkeit aus als bei Frauen.
Die Ergebnisse der aktuellen RWI-Studie zu den längerfristigen Folgen für die Arbeitsmarktsituation von Pflegenden zeigt: Wenn ältere Frauen ihre Eltern pflegen, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie gleichzeitig erwerbstätig sind, um durchschnittlich 7,2 Prozentpunkte. Wenn sie über einen längeren Zeitraum pflegen, sinkt die Beschäftigungswahrscheinlichkeit nur noch um 4,5 Prozent, allerdings verkürzen sie dann ihre Arbeitszeit um durchschnittlich 12,4 Prozent.
Bei Männern wirkt sich die Doppelbelastung durch Job und Pflege noch gravierender aus: Die Wahrscheinlichkeit, dass sie bei länger andauernder Betreuung der Eltern ihrer Arbeit weiter nachgehen, reduziert sich um 11,8 Prozentpunkte. Wenn sie aber neben der Pflege noch erwerbstätig sind, reduzieren sie in der Regel ihre Arbeitszeit nicht.
Die unterschiedlichen Auswirkungen auf die Beschäftigungssituation von Männern und Frauen erklärt Dr. Dörte Heger, Wissenschaftlerin im RWI-Kompetenzbereich „Gesundheit“ und Mitautorin der Studie, damit, dass Frauen häufiger in Teilzeit beschäftigt seien und nach einer Pflegephase leichter wieder den Einstieg in ihren Job finden würden. Eine weitere mögliche Erklärung sei, dass das pflegerische Engagement von Frauen von Arbeitgebern als „normal“ wahrgenommen wird. Bei Männern gelte es hingegen in manchen Fällen auch als „Beweis für schwächer ausgeprägtes berufliches Engagement“.
Ansprüche nach dem Pflegezeitgesetz (PflegeZG)
Pflegende Angehörige haben gemäß Pflegezeitgesetz (PflegeZG) Anspruch auf eine bezahlte Auszeit vom Job. Für die längerfristige Pflege ist eine Freistellung bis zu sechs Monaten möglich, während der ein Arbeitnehmer ganz oder teilweise aus dem Beruf aussteigen kann. Seit 2015 besteht während der vorübergehenden Auszeit auch ein Anrecht auf Pflegeunterstützungsgeld.
Grundlagen der Studie
Grundlage der Studie sind Daten aus dem „Survey for Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE)“ aus dem Zeitraum der Jahre 2004 bis 2015. Der Datensatz umfasst die Bevölkerung ab einem Lebensalter von 50 Jahren in Europa und Israel. Er ist der erste mit umfassenden gesundheitlichen und sozio-demografischen Informationen von über 50-Jährigen auf europäischer Ebene. Für die Studie umfasste die Stichprobe knapp 8.000 Frauen und gut 6.500 Männer im Alter zwischen 50 und 70 Jahren.
Quelle: RWI
Weitere aktuelle Themen
Termin
Fachtag: Sorgende GemeinschaftWie können wir unsere Gesellschaft menschlicher unterstützender und gemeinschaftlicher gestalten. Antworten erhalten interessierte am 12. Juni 2025 beim Fachtag Sorgende Gemeinschaft in Overrath.
Haushaltsplanentwurf 2025
Freie Wohlfahrtspflege: Teilerfolg im Kampf gegen SozialkürzungenNach massiven Protesten mit über 32.000 Teilnehmenden hat die Landesregierung NRW geplante Sozialkürzungen teilweise zurückgenommen. Die Freie Wohlfahrtspflege NRW sieht darin einen Teilerfolg, mahnt aber weiterhin Nachbesserungen an.
Informationsveranstaltung
Vorsorgevollmacht, Betreuung, PatientenverfügungDer Solinger Pflegeverbund lädt Interessierte am 14. November, um 18 Uhr zu einer Informationsveranstaltung ein. Sie erfahren alles Wichtige zu den Themen Vorsorgevollmacht, Betreuung und Patientenverfügung.
Stellungnahme
Pflegekompetenzgesetz: Gut, aber nicht gut genugDer Think Tank Vorbehaltsaufgaben (TT VA) hat in einer Stellungnahme zum Entwurf des Pflegekompetenzgesetzes die Stärkung der Autonomie der professionellen Pflege begrüßt – aber auch auf Schwächen und offene Punkte hingewiesen.
Tour Demenz 2024
Einsamkeit begegnen – Zugehörigkeit stärkenAm 19. September 2024 sind die Akteure des Regionalbüros Alter, Pflege und Demenz Bergisches Land wieder auf (Fahrrad-)Tour – diesmal, um Orte und Aktionen im Bergischen Land sichtbar zu machen, die Zugehörigkeit und Verbundenheit fördern.
Wohngemeinschaft Friedrichshof
Tag der offenen Tür mit Multikulti-BrunchIm Rahmen der Interkulturellen Woche (IKW) laden Teheim Solingen und das Regionalbüro Alter Pflege und Demenz zum Tag der offenen Tür am Samstag, den 28. September 2024, in den Friedrichshof Solingen ein.
Austausch und Unterstützung
Einladung zum Frühstück für Trauernde und PflegendeDer Verlust eines geliebten Menschen oder die Übernahme von Pflegeverantwortung kann das Leben tiefgreifend verändern und zu Einsamkeit führen. Deshalb lädt das Kontaktbüro Pflegeselbsthilfe Betroffene zum Frühstück ins Café Friedrichshof ein.
Online-Selbsthilfegruppe
Austausch und Entlastung für Angehörige von KrebspatientenDas Kontaktbüro Pflegeselbsthilfe Bergisches Städtedreieck und das Regionalbüro Alter, Pflege und Demenz laden Angehörige von Menschen mit einer Krebsdiagnose zum Online-Treffen ein – Dienstag, den 17. September, um 19 Uhr.
Veranstaltung Demenz Meet
Begegnung und Austausch für Betroffene und AngehörigeAm Weltalzheimertag, dem 21. September 2024, findet in Köln die Veranstaltung „Demenz Meet“ statt. Sie bietet Menschen mit Demenz, ihren Angehörigen und Expert*innen die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und zur Inspiration.
Veranstaltungen
Initiative gegen EinsamkeitDie Regionalbüros Alter, Pflege und Demenz NRW veranstalten vom 17. bis 23. Juni 2024 die Aktionswoche "Einsamkeit begegnen – Zugehörigkeit stärken". Ziel ist es, das Bewusstsein für Einsamkeit zu schärfen und Lösungen zu finden.
Landesprogramm NRW
Teheïm Solingen bildet Pflegelotsen ausDer Pflegedienstleister Teheïm Solingen fördert die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege im Unternehmen durch geschulte Pflege-Guides. Diese unterstützen Mitarbeitende, die ihre Angehörige pflegen.
Umfrage
Pflegeberuf: Hohe Relevanz, aber wenig bekannte ChancenEine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass vielen Menschen weder die Berufschancen noch die Aufgaben einer Pflegekraft bekannt sind.
- 1
- 2